Varia
... von Ihren Experten für eigentlich eh fast alles.
Holen wir uns die Wien zurück! :: Draft
Wie der verlorene Schatz Wienfluss gehoben werden könnte.
Was tun?
Die Wien ist amputiert. Aber manche ProthesenträgerInnen betreiben erfolgreich Hochleistungssport. Und auch die Wien ist quicklebendig, muß aber endlich in den OP zu den Wasserbauern, Ökologen, Hydrobiologen etc, damit nicht nur zufällige Ritzenvegetation oder vereinzelt der Götterbaum in den Fugen der Sohle und Mauern ihr Leben fristen, sondern die Wien wieder voll von Lebewesen werden kann. Und: wir wollen uns doch an einem Gewässer, an einem Grünraum erfreuen. Steht nicht in den Annoncen: Wohnung mit Grünblick! Fahren wir nicht gerne an den Seem?
Es ist möglich, in das vorhandene Regulierungsprofil einen neuen Flußraum zu bauen (örtlich vielleicht sogar zusätzlich tiefere Nischen auch als Laichplatz, Fluchtraum bei Hochwasser): aquatische Lebensräume (für Fische, Amphibien, Muscheln, Wasserpflanzen etc), aber auch terrestrische für die an Land lebenden Lebewesen. So kann die für ein Gewässer typische große Artenvielfalt - die Biodiversität - zwar nicht vollständig, aber zumindest ansatzweise wiederhergestellt werden. Im Bereich der Brauhausbrücke sieht man ja: hier, auf einer Betonsohle, bauen sich an Hindernissen Anlandungen unterschiedlicher Korngrößen auf, siedeln sich Pflanzen an, Muscheln setzen sich fest, und Wasservögel sind schon da. (Foto!!!) Wichtig ist, die „Rauigkeit“, die Strukturvielfalt im und am Gewässerrand, aber auch die Verzahnung Land-Wasser zu vergrößern. Das geht gut mit an der Sohle, an den Böschungen und Mauern befestigten Steinen, mit Holzpilotierungen, bei größeren Höhenunterschieden mit Schlauchwehren, die von Aufstiegshilfen für Fische begleitet werden.
+Wir können auch die in jedem Flußraum gefühlte Kühle, Frische, feuchtere Luft “herstellen“, Staub und Lärmreflexion reduzieren, wenn wir das Wasser zurückhalten, die Wienfluß-Sohle so breit und tief wie nur möglich überstauen, Wasser über Steine sprudeln lassen, krautige Pflanzen, Gräser ansiedeln und die Ufer konsequent bepflanzen - bei steilen, senkrechten Mauern mit Kletterpflanzen von oben. So ein „Vorhang“ aus Wasser und Vegetation überdeckt dann die mehrere 100.000 m2 große Fläche „trockene Betonsohle“ und „südorientierte Hochwasserschutzmauer“, die dzt der Sonne tagsüber voll ausgesetzt sind, sich heute auf mehr als 50 Grad erhitzen (gemessen, nicht geschätzt) und in der Nacht die gespeicherte Wärme abstrahlen (um 5 Uhr morgens 25 Grad!) Dieser beschattende „Vorhang“, die Kühle des verdunstenden Wassers und der assimilierenden Pflanzen hilft, die klimawandelbedingte Hitze im Wiental zu reduzieren. So kann zumindest nachts die frische Wienerwaldluft wieder durch das Wiental streichen, weil sie nicht durch die Wärmeabstrahlung der versiegelten Flächen überdeckt und abgelenkt wird; an geöffneten Fenstern der Wohnungen und Büros spürt man kühlen Hauch, eine Frischluftschneise. Die energiefressenden und leider auch Wärme erzeugenden Klimageräte (die sich viele in Anschaffung und Betrieb gar nicht leisten können) können zumindest zeitweise abgeschaltet werden.
Foto!!Solche Pflanzenkaskaden, wie sie - Bezirksvorsteher Wimmer sei’s gedankt - seit mehreren Jahren von der bepflanzten Nevillebrücke fast bis ins Wasser reichen, können bei Hochwasser aufschwimmen, werden höchstens ein wenig gerupft, sind Nahrungsquelle, Nist- und Fluchtort - und flächig an den Hochwasserschutzmauern angeordnet vermitteln sie zurecht: Unsere Wien ist wieder da.
+Wir können den mit Grünflächen schlecht versorgten Bewohner in Teilen des 14., 15., 12., 6., 5. und 4 Bezirks Aufenthalt am….Fortsetzung wie im vorh. Text +Wir könnten spätestens nach Fertigstellung der naturräumlichen Verbindung vom Donaukanal bis in den Oberlauf der Wien vielleicht - nein, sicher - in der Wien in Wien wieder Fische, Krebse, Wasservögel ….
Was also wäre zu tun?
Im Bereich Brauhausbrücke ist schon vor vielen Jahren eine Teststrecke, ein Flußraum mit begleitendem Weg mit Stufen zum Gewässer „gebaut“ worden. Recht ansehnlich, oder? Und hat sich auch bei Hochwasser bewährt, wird von der Bevölkerung - und von Tieren und Pflanzen - gerne angenommen.
Wer oder was also ist hinderlich, den stadtauswärts der Kennedy-Brücke bereits öffentlich begeh-/befahrbaren Wien-„Fluss“ auch im Stadtzentrum „grüner“ zu machen? Die vorhandenen Querrippen könnten doch erhöht werden, sodaß das ganze Bachbett von der Mauer entlang der U4 bis zum Weg wasserbedeckt ist, das „schräge“ Ufer könnte mit Schilf und Weiden, die gepflasterten Böschung mit Bäumen bepflanzt werden?
Die Hochwassergefahr kann es ja nicht sein: in Auhof gibt es Stauräume mit Schleusen, der Wientalkanal wird laut Stadtrat Jürgen Czernohorszky 2028 bis Auhof fertiggestellt sein „Mit dem Wiental Kanal schützen wir in Zukunft den Wienfluss vor Verschmutzung bei starkem Regen.“, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, 24.03.2022. und die Starkregen-Prognosen sind verläßlich – also bei sorgsamer Beobachtung, Installierung von Warneinrichtungen, Schleusensteuerung, zusätzlichen Fluchtwegen und einer „schnellen Eingreifgruppe“, die notfalls einzelne Zurückgebliebene einsammelt, ist Gefahr für Leib und Leben nicht mehr zu befürchten.
figure src=“img/pflanzen-im-kanal.jpeg” label=“pflanzen-im-kanal” type=“margin” title=“Begrünte Kanalwände " caption=” verhindern das Aufheizen und die gibt es heute schon vereinzelt. Warum machen wir das nicht flächendeckend?" alt=""
Eine Vision, zur Benützung freigegeben hoffentlich spätestens 2030
Warum also den stadteinwärts anschließenden Abschnitt nicht auch flußähnlicher, vielfältiger gestalten, das Wasservolumen vergrößern, den Fuß- und Radweg bis zum Donaukanal verlängern, aus einem Mischwasser-Kanal einen Fluß mit sauberem Wasser wiederherstellen, 10 km lang! ? Die vorhandenen Querrippen könnten in schräge, in der Linienführung aufgelöste „Schwellen“, umgebaut werden und so Wasser aufstauen, die Ufer könnten mit Gräsern, Schilf und Weiden bepflanzt, die gepflasterten Böschungen zur Straße mit Kletterpflanzen, Sträuchern und Bäumen begrünt werden. (Da sollte ein Foto von der gepflasterten Böschung und das bei der Kennedybrücke mit der Sicherung der Mauer dazu.
Und auch in der rechteckigen Regulierungsstrecke könnten die 4 bis nahezu 8m hohen Mauern vom Hadikpark aus, von der schrägen Grünfläche zwischen Schloßbrücke und Winkelmannstrasse, von den Baumscheiben der Allee stadteinwärts bis zum U4 Center begrünt werden. Durch den Tunnel unter dem Gaudenzdorfer Knoten hindurch - spannende Lichtinstallationen, Streetart bis an die Oberfläche würde dem Verkehrsknotenpunkt eine andere Note, dem rechtsufrigen Spiel- und Sportplatz Aufenthalt im Schatten geben, an der Wand bouldern und „Zehen im Wasser“ ermöglichen (ab 2028, wenn die Schmutzfrachtbelastung der Wien bei Starkregenereignissen nicht mehr vorkommt). Ein kühler, vielfältiger, lebendiger Flußraum mit kleinen Wasserfällen ergänzt den Bruno Kreisky Park und ist Pausenraum für „Die Mollardgasse“: Da geht gleich an der Brücke ein Lift hinunter, um lange Rampen und Kosten zu ersparen und den Denkmalschutz zu respektieren. Dann grüßen schon die Pflanzenkaskaden von der Nevillebrücke: die BewohnerInnen des 5., die Bobos des 6. Bezirks sonnen sich heute schon dort, aber viel lieber unten neben dem Wasser, wo man Plätschern statt Verkehrslärm wahrnimmt (und auch gesehen wird). Und dann sind wir schon vor dem Portal der Einwölbungsstrecke. Die Besucher der Terrasse im Gewölbe sitzen in der Sonne oder im Schatten je nach Jahreszeit, jedenfalls in einer grünen Umrahmung und genießen den Blick auf die Flußlandschaft.
„Wer fürchtet sich vorm 3. Mann?“
Etwa 2,1 km Tunnelstrecke liegen vor uns. Für Fische ist die Passage durch die Dunkelstrecke vielleicht eine Schwierigkeit. Nicht aber für alle, die 2 Beine haben oder auf 2 Rädern sitzen oder stehen. Denn 2 Varianten sind denkbar: Entweder kann die Vorwarnzeit vor einem Hochwasser durch Änderung der Wehrsteuerung in den Retentionsbecken in Auhof so verlängert, die Information verbessert werden, dass Fluchtwege/Ausgänge mit Aufstiegshilfen (Aufzüge) rechtzeitig erreichbar sind: dann kann es einen über der Sohle etwas erhöhten Weg (Niveau z.B. 10-jährliches Hochwasser) neben dem Wienfluß geben. Oder der Weg wird im Tunnel auf Höhe eines 100-jährlichen Hochwassers = etwa der Beginn des Gewölbebogens geführt, z.B. aufgehängt am Scheitel des Gewölbes. Vermutlich wird der im Herbst startende Wettbewerb für die Neugestaltung des Naschmarkt-Parkplatzes Vorschläge für eine gestalterische und/oder funktionale Verbindung Flußraum - Oberfläche erbringen, sodaß auch Tageslicht ins Gewölbe eindringen wird. Jedenfalls sollte diese monumentale, ca 17 m breite, 8 m hohe Gewölbestrecke, dieser so und so „coole“ Ort, den zumindest alle, die Spraydosen halten können, kennen, nicht nur als Durchgangs-, sondern Aufenthaltsort mit spezifischer Qualität genutzt wird: es kommt drauf an, was man mit Licht, Ton, Farbe, Bewegung daraus macht. Und dann kommt schon Helligkeit, die Ohmann-Promenade, dieses Architekturjuwel mit begrünten Wänden - großartige „Spranze“, dass Wandbegrünung in einem engen Hochwasserprofil geht. Und dann der Rückstau des Donaukanals, die Wien breitet sich bis zu den seitlichen Mauern aus. Wie zum Treppelweg am Donaukanal gelangen? Eine schwimmende Brücke - wie auf der Neuen Donau bei der Reichsbrücke. Hier an den Wänden mittels Dalben (wie in Häfen oder bei der Schifffahrtsschleuse im Kraftwerk Freudenau üblich) an der linksufrigen Hochwasserschutzmauer befestigt sind.
Und schon ist das ökologische System der Wien mit der Donau vernetzt. Und eine kraftfahrzeugsfreie, attraktive Wegeverbindung neben einem sauberen Gewässer zwischen Donauraum und Wienerwald wiederhergestellt: Unsere Neue Wien.
Die Chance muß jetzt ergriffen werden, den von Otto Wagner „weggeworfenen Schatz“ Wienfluss wieder zugänglich zu machen – selbst wenn das eine technische Herausforderung ist. Die teilweise Überwölbung und Kanalisierung der Wien war ja für die damalige Zeit auch eine Herausforderung. Aus heutiger Sicht war sie ein Fehler und so obliegt es uns, diesen zu korrigieren – so wie auch die erste große Donauregulierung von 1870 mit der Donauinsel korrigiert werden mußte.
Diese und andere Aspekte müssen natürlich noch sorgsam überlegt, von Fachleuten diskutiert und abgewogen werden. Selbstverständlich werden auch die zu erwartenden Kosten eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz sollte mit der Planung rasch begonnen werden. Am Naschmarktparkplatz tut sich ja inzwischen einiges – auch wenn der Start dieses Projektes ausgesprochen holprig verlief. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadträtin und Biologin Sima sowie der Umweltstadrat Czernohorszky sich nicht mit dieser einen Insellösung begnügen. Der Wienfluss hätte noch sehr viel mehr Potential und die Stadt Wien und ihre Mitarbeiter haben mit der Donauinsel schon einmal bewiesen, dass sie das können. Wien wird auch international bis heute dafür bewundert. In Vienna, a visionary example of dealing with urban floods, The Washington Post, siehe Quellen Also – um an die anfangs zitierte Leserzuschrift anzuknüpfen:
Lasst uns Bewohner dicht bebauter Stadtteile, die viel weniger Grünraum haben als die Bezirke an der Donau, nicht so lange warten: wir wollen auch kühle Luft zum Atmen, auch am Ufer spazieren gehen, auch die Zehen ins Wasser stecken können!
TODO: Otto Wagner Boulevard - Architekt vs. Stadtplaner
TODO: überstaute Sohle war immer schon wegen der Mühlen
Siehe auch
Dieser Artikel ist Teil der →Wienfluss Serie, deren Artikel für das Verständnis der hier geäußerten Überlegungen äußerst hilfreich sein dürften.
Quellen
The Washington Post, October 30, 2021: In Vienna, a visionary example of dealing with urban floods
APA OTS: Schutz für den Wienfluss: Wiental Kanal wird um rund 9 Kilometer verlängert
Presse-Service, Rathauskorrespondenz: Schutz für den Wienfluss: Wiental Kanal wird um rund 9 Kilometer verlängert
Bildnachweise
Sonstige Farbphotographien von Ingo Lantschner, August 2022
Dieser Artikel ist Teil der
Serie Wienfluss
- 28.07.2022
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