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Bauanleitung für eine „Grulic“-Lebendfalle :: Draft
Eine Lebendfalle für Mäuse – entwickelt und erprobt im Rahmen zoologischer Feldstudien. Ein Sammelstück des Naturhistorischen Museums zu Wien stand Modell dafür.
Inhalt
Schaut im Oktober die Maus aus dem Loch,
hat sie schon gefressen oder es hungert sie noch.
Herr Dr. Coumont präsentiert der Kommission ein Kompotglas, in welchem ein totes Mäuschen in Spiritus schwimmt, als Corpus delicti. Die Unglückliche war erst drei bis vier Wochen alt, wie Herr Padhorny mit kundigem Auge konstatiert, als sie das Schicksal ereilte.
Kompotglas samt Maus, werden, nachdem der Zwischenfall ordnungsgemäß protokolliert worden war, den Akten beigelegt, das heißt, der Schriftfübrer muß sie in den Sack stecken, wobei ihm ein wenig gruselt.
Kennengelernt habe ich diesen Typ Lebendfalle, als ich in den Jahren 1982 bis 1985 im Burgenland an der Erforschung der Ährenmaus, Mus spicilegus gearbeitet hatte. Um ihre Bewegungen und Lebensweise zu dokumentieren, musste ich eine nennenswerte Anzahlen von Mäusen lebend fangen, markieren, freisetzen und zu einem späteren Zeitpunkt erneuert einfangen. Es war daher wichtig, dass die Mäuse nicht durch beispielsweise Unterkühlung in den Fallen verendeten.
In der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums Wien zeigte man mir ein Exemplar einer Lebendfalle, die als „Grulic-Falle“ bezeichnet wurde und angeblich aus der damaligen Tschechoslowakei stammte. Keine Ahnung, ob die Falle von einem Herrn Grulic ersonnen worden ist oder der Säugetierabteilung von einem Herrn oder einer Frau Grulic gezeigt und überlassen worden ist.
Ich habe die Falle damals zerlegt und zwei Dutzend davon mit kleinen Modifikationen nachgebaut. Diese haben mir in den folgenden Jahren gute Dienste geleistet. Nach Abschluss der Untersuchungen habe ich den Großteil der Fallen dem Museum überlassen und nur einige wenige behalten.
Als heuer im Frühjahr eine Mäuseinvasion auf unserem begrünten Dach am Loquaiplatz auftrat, habe ich noch einmal eine Serie von zehn Stück aufgelegt. Damit konnten wir im Mai und Juni 24(!) Hausmäuse fangen und expatriieren.
Das Prinzip
Die Falle funktioniert grundsätzlich ohne Köder. Mäuse sind Lebewesen mit vielen Fressfeinden, die sich für den Nahrungserwerb im offenen Gelände bewegen müssen, wo sie reichlich Gefahren ausgesetzt sind. Deshalb brauchen Mäuse in ihrem Aktionsbereich möglichst viele leicht erreichbare Versteckmöglichkeiten. In der freien Natur sind das oft Gangsysteme anderer Kleinsäuger.
Eine Maus mit intakten Reflexen kann ein neues Loch in ihrem vertrauten Umfeld einfach nicht ignorieren. Das muss zumindest untersucht und auf seine Verstecktauglichkeit geprüft werden. Auch ein „Sackloch“, also ein Tunnel mit nur einem Eingang, kann wertvoll sein. Viel besser ist aber ein Gangsystem mit zweitem Ausgang. Diesen erkennt die Maus daran, dass es eine schwache Luftbewegung in dem Loch gibt, in das sie ihre empfindliche Nase hineinsteckt. Deshalb sollte eine taugliche Falle hinten nicht geschlossen sein, sondern über Öffnungen diesen Eindruck eines Gangsystems erzeugen.
Die Falle besteht bis auf wenige Metallteile aus handelsüblichen Holzleisten, wie man sie in Baumärkten oder bevorzugt im lokalen Bastelbedarf bekommt.
Benötigte Holzteile
| Anzahl | Art u. Querschnitt | Länge / Stk. | Gesamtlänge |
|---|---|---|---|
| 3 Stück | Latte 20 x 10 mm | 60 mm | 180 mm |
| 2 Stück | Latte 40 x 10 mm | 180 mm | 360 mm |
| 1 Stück | Latte 50 x 10 mm | 150 mm | 150 mm |
| 1 Stück | Latte 60 x 10 mm | 170 mm | 170 mm |
| 1 Stück | Latte 70 x 10 mm | 180 mm | 180 mm |
Eventuell sind Latten 70 x 10 mm schwer zu bekommen, ich habe sie mir aus Sperrholz zuschneiden lassen.
Und für die Wippe:
| 1 Stück | Latte 50 x 5 mm | 35 mm lang | Gesamt: 35 mm |
|---|

Da man die Latten in der Regel mit 2 m Länge bekommt, empfiehlt es sich, gleich eine Kleinserie aufzulegen, um das angeschaffte Material effizient auszunutzen.
Metallteile
An Metallteilen benötigt man pro Falle:
- Nägel 30 mm lang
- 1 Maschinenschraube 4 mm, 40 mm lang
- 2 Muttern und zwei Beilagscheiben dazu
- Verzinktes Stahlblech, etwa 0,5 mm stark , 40 x 80 mm (evtl. aus einer Konservendose)
- Ein Stück Stahldraht 0,5 mm, 15 m lang
Bei der von mir im Frühling angefertigten Serie hatte ich Materialkosten von etwa 10 € pro Falle. Allerdings brauchte ich für die Metallteile nichts aufzuwenden, da sich alles Benötigte in meinem Fundus fand. Wenn ich Stahl schreibe, so meine ich damit keine Edel- oder Federstähle, sondern ganz normale Eisenqualität, also Baustahl. Als Draht habe ich 1,25 mm starken verwendet, was halt so da ist; er sollte sich leicht mit den Fingern biegen lassen.
Werkzeug
An Werkzeug benötigt man eine Feinsäge, einen Hammer, eine Bohrmaschine (oder Akkuschrauber) mit Holz- oder Universalbohrern 3,0 mm, 5,0 mm und 8,0 mm und eine zum Schneiden des Blechs geeignete Schere.
Nicht unbedingt nötig, aber sehr hilfreich sind ein Bandschleifer, ein Schwing- oder Exzenterschleifer und ein Lochkreissägeset.
Zum Ablängen der Holzteile verwende ich eine Eisensäge. Ich messe die Längen ab zeichne mit einem Anschlagwinkel an, spanne die Leiste in den Schraubstock und säge entlang der Markierung ab. Geht aber mit jeder Feinsäge (auch Laubsäge) und alternativ zu Schraubstock und Anschlagwinkel in einer Sägelade.

Die Herstellung der Teile
Bis auf die Tür handelt es sich dabei um lauter rechtwinklige Schnitte. Nur die eine Seite der Tür muss entsprechend der Abbildung geschnitten werden, wobei es bei der Genauigkeit nur auf den unteren Schnitt ankommt.
Nun brauch es noch zwei Runde Schnitte: Das Einstiegsloch und den U-förmigen Schnitt in der Tür. Ich habe dafür zwei Einsätze eines Kreisschneidersets verwendet. 25 mm Durchmesser für die Tür und 30 mm für das Einstiegsloch. In der Tür habe ich das Loch dann mit zwei geraden Schnitten zu einem U verlängert, wie auf den Bildern zu sehen.

Wenn kein Kreisschneideset zur Verfügung steht, kann man die Schnitte auch (etwas mühsamer) mit einer Laubsäge anbringen.
Wer es gerne hübsch hat, kann die Sägekanten versäubern, per Schleifpapier, Feile oder Schwingschleifer.
Wichtiger ist aber die flächige Abschrägung im rechten Teil der Tür. Die soll verhindern, dass die Tür sich beim Zufallen in der Führung verhakt und ist eigentlich nur mit einem Bandschleifer mit grobem Schleifmittel vernünftig anzufertigen oder mit einem Handhobel.
Bohrungen
Jetzt müssen eine Reihe von Bohrungen angebracht werden:
Man legt die beiden Seitenteile übereinander und bohrt 80 mm von der Seite mit dem Einstiegloch und 10 mm von der Unterkante entfernt gemeinsam durch. Die Bohrung sollte etwa den doppelten Durchmesser des verwendete Drahts haben.
Mit demselben Bohrer erhält die Wippe zwei Bohrungen …
Das Brett mit dem Einstiegsloch erhält eine Bohrung mit 5 mm Durchmesser 40 mm von der dem Einstiegloch abgewandten Seite und ebenfalls 10 mm von der Unterkante entfernt.
Jetzt legt man den Teil mit dem Einstiegsloch so auf, dass der Einstieg rechts und das 5 mm Loch links unten ist. Legt die Tür mit der kurzen Abschrägung links unten darüber und vergewissert sich davon, dass Tür- und Seitenunterkante fluchten, und die rechte kante der Tür gegenüber der rechten Kante des Seitenteils um 5 mm nach links versetzt ist.

Ohne die Teile gegeneinander zu verschieben dreht man das Ganze um und verlängert die 5 mm Bohrung durch die Tür hindurch.

Der Draht wird jetzt von der Oberseite der Wippe durch die eine Bohrung gesteckt unten abgewinkelt, zur zweiten Bohrung geführt und durch diese wieder nach oben durchgesteckt. Es sollen auf der Einstiegsseite etwa 80 bis 100 mm überstehen, und auf der anderen Seite etwa 40 mm.
Oberhalb der Wippe werden diese Drahtstücke im rechten Winkel nach außen gebogen. Der Draht soll sich unterhalb der Wippe flach an diese schmiegen.
Der Zusammenbau
Man beginnt mit der Oberplatte und den beiden Seitenteilen. Ich habe 30 mm Nägel verwendet. Nachdem ich den einen oder anderen nicht sauber platzieren konnte, bin ich dazu übergangen, in der Deckplatte an den richtigen Stellen Bohrungen mit einem feinen Bohrer anzubringen, durch die die Nägel geführt werden. Aufpassen muss man, dass man nicht auf Höhe des Einstiegslochs einen Nagel platziert, der dann in die Öffnung ragen würde.

Man führt die beiden Drahtenden der Wippe so durch die Bohrungen in den Seitenteilen, dass der längere Abschnitt neben dem Einstiegsloch herausragt. Dann platziert man die Seitenteile so auf der Deckplatte, dass die Schmalseiten auf der Seite mit dem Einstiegsloch bündig abschließen. Dreht das ganz um, steckt Nägel durch die Bohrungen und klopft diese fest.

Nachdem man so eine U-Form erzeugt hat, dreht man die Struktur um, legt die ebenfalls mit Führungsbohrungen versehene Bodenplatte so auf, dass sie auf der Rückseite bündig abschließt und auf der Einstiegsseite 10 mm übersteht und bringt auch hier die Nägel an. Durch das Anbringen der Abschussplatte wird die Struktur winkelmäßig noch stabilisiert.
Auf der dem Einstiegsloch abgewandten Seite stehen die Seitenteile gegenüber Grund- und Oberplatte über. Hier müssen oben und unten die beiden schmalen Leisten so angebracht werden, dass jeweils ein Spalt bleibt, in den man das Abschlussblech einführen kann. Nageln ist an dieser Stelle problematisch, da so nahe am Ende der Seitenteile die Nägel das Holz gerne aufspreizen. Natürlich wird auch hier vorgebohrt, und zwar möglichst weit vom Ende der Falle entfernt.
Zusätzlich ist es hilfreich, den Nägeln die Spitze zu nehmen, indem man den Nagel mit der Spitze nach oben in einen Schraubstock spannt und die Spitze mit einem Hammerschlag staucht. Auf diese Weise drückt die Nagelspitze die Holzfasern nicht mehr auseinander.
Ich bin dazu übergegangen, diese etwas kritischen Verbindungen zusätzlich durch Kleben zu stabilisieren, entweder mittels Holzleim oder etwas profaner mit Heißkleber.

Ähnlich verfährt man mit dem dritten schmalen Holzstück, das über dem Winkel Grund- und Abschlussplatte so platziert wird, dass eine Führungsrille für die Tür entsteht.

Nun steckt man die Schraube für die Tür von innen nach außen durch die Seitenwand, wobei man eine möglichst große Unterlegscheibe verwendet, damit sich der Kopf nicht ins Holz einarbeiten kann. Die Tür kommt von außen über die Schraube, dann eine weitere große Unterlegscheibe und die beiden Muttern. Jetzt kann man kontrollieren, ob die Kinematik sauber arbeitet: Die Tür muss in der tiefsten Position genau parallel auf der Grundplatte zu liegen kommen und in der höchsten die kurze hintere Schnittfläche parallel aufliegen. Beim Zufallen muss sie dank der Abflachung ohne zu haken in den Führungsschlitz fallen. Mittels der Muttern kann man die Leichtgängigkeit justieren, wobei zu beachten ist, dass Holz abhängig von der Luftfeuchtigkeit quellen kann. Durch Kontern der beiden Muttern wird die Einstellung fixiert.
Jetzt noch der Auslösemechanismus: Das dem Einstieg abgewandte Drahtstück wird so um 90° umgelegt, dass durch diesen Anschlag die Wippe im Inneren der Falle mittig zwischen den Seitenwänden zu liegen kommt. Wenn das abgewinkelte Stück länger als 8 bis 10 mm ist zwickt man es auf diese Länge ab.

Nun drückt man die Wippe von der Hinterseite aus mit den Fingern oder einem Werkzeug zu Boden, winkelt den Draht auf der Einstiegsseite rechtwinklig weg vom Einstiegsloch ab und biegt ihn dann weiter in einer Rundung nach oben. Die Rundung muss bei allen Positionen der Wippe innerhalb der Aussparung in der Tür bleiben. Bei der genauen Form der Rundung hat man etliche Freiheitsgrade. Der Draht wird dann so abgelängt, dass sein Ende bei geöffneter Tür und angehobener Wippe unter dem rechten Eck der Türaussparung zu liegen kommt und die Tür in offener Position hält.

Wenn die Wippe durch das Gewicht der Maus niedergedrückt wird, gibt das Drahtende die Tür frei, die dann mit einem hörbaren Klack zufallen muss.

Am Abschlussblech werden oben 15 mm rechtwinklig abgebogen, die das Blech im eingeschobenen Zustand oben halten. Das Blech soll beim Einschieben nicht an den Seitenwänden haken, aber auch nicht so locker sitzen, dass es beim auf den Kopf stellen der Falle herausfällt. Zu lockeren Sitz kann man durch leichtes Verformen beheben, sodass es oben und unten in den Spalten fixiert wird.
Im mittleren Bereich des Blechs bringt man einige Bohrungen von etwa 8 bis 10 mm an.
Die Fallen sind aufgrund von Bauart und -material vorwiegend für den Indoor-Einsatz bestimmt. Bei trockenem Wetter funktionieren sie auch unter freiem Himmel, aber Nässe lässt das Holz quellen und wird die Funktion beeinträchtigen.
Wenn sie mal in den Regen geraten, werden sie dadurch nicht dauerhaft beschädigt, müssen aber wieder gut austrocknen.
Für eine Erhöhung der Witterungsbeständigkeit empfiehlt sich ein Anstrich der Außenseite mit einer Schutzlasur. Da wir weder die Mäuse noch uns selber vergiften wollen, bitte nur ungiftige, PCB-freie Anstriche verwenden.
Anwendung
Mäuse wickeln einen Großteil ihrer Aktivitäten im Zeitraum von Morgen- und Abenddämmerung ab. Deshalb stellt man Fallen am besten am späten Nachmittag auf. Man kann sie dann in der Nacht kontrollieren, muss das aber nicht. In den Holzfallen überstehen Mäuse problemlos eine Nacht. Aber am folgenden Vormittag muss unbedingt kontrolliert werden.
Auf ebenem Untergrund ist der Einsatz unproblematisch, man stellt sie am Boden ab, öffnet die Tür etwas und hakt das Drahtende knapp darunter.
Auf unebenem Boden sollte die Falle so platziert werden, dass die Türseite etwas höher zu stehen kommt.
Mäuse bewegen sich gerne entlang von Strukturen, deshalb stellt man die Fallen bevorzugt etwa rechtwinklig an Wände. Das erhöht sie Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere mit ihnen konfrontiert werden.
Die Falle selbst funktioniert ohne Köder, es kann aber sinnvoll sein, die Tiere mit einem Köder in die Nähe der Falle zu locken: Dazu eignet sich zum Beispiel Erdnussbutter sehr gut, da diese nicht nur sehr gerne gefressen wird sondern die Tiere auch durch ihren intensiven Duft anzieht.
Aber bitte keine Erdnussbutter in die Fallen! Das ist unnötig und führt nur zu einer nachhaltigen Verschmutzung im Inneren, wenn die gefangenen Tiere sie dann beim Herumlaufen überall verteilen.
Findet man die Falle mit geschlossener Türe vor, gilt es erst mal zu untersuchen, ob überhaupt ein Tier drinnen ist. Das geht gut mit einer Leuchte durch die Löcher im Abschlussblech, oder aber man hebt die Tür um ein paar Millimeter an und sieht dann in der Regel das Fell der Maus.
Man bringt die Falle an den Ort, wo man das Tier auslassen möchte und zieht den Schieber ganz heraus. Das Tier wird in der Regel nicht von selber herauswollen sondern lieber im vermeintlich sicheren Versteck bleiben. Man öffnet die Tür einen Spalt und bläst kräftig hinein, worauf die Maus mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der anderen Öffnung geschossen kommt, ein paar Sprünge über den Boden macht und schleunigst in einer Deckung verschwindet.
Vor einem erneuten Einsatz kontrolliert man die Leichtgängigkeit der Tür und den stabilen Sitz der Schiebers.
Quellen
TODO
Bildnachweise
Farbphotographien erstellt vom Autor
Dieser Artikel ist Teil der
Serie Mausgeschichten
- 20.12.2022
Bauanleitung für eine „Grulic“-Lebendfalle
Eine Lebendfalle für Mäuse – entwickelt und erprobt im Rahmen zoologischer Feldstudien. Ein Sammelstück des Naturhistorischen Museums zu Wien stand Modell dafür.
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